Interview mit Kathrin DerksenAugenoptiker-Werkstatt | Foto: Andreas Friedrich, Firma: Fred McFar Fotoproduktionen aus Karlsruhe
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Interview mit Kathrin Derksen

Telefoninterview mit Kathrin Derksen, „Bundessiegerin“ beim Praktischen Leistungswettbewerb des Handwerks in der Augenoptik 2014.

Frau Derksen, noch einmal herzlichen Glückwunsch zum Erreichen des Titels „Bundessiegerin“ beim Praktischen Leistungswettbewerb des Handwerks in der Augenoptik 2014! Nach Ihrem Kammersieg haben Sie sich im Wettbewerb mit 31 Gesellen aus ganz Deutschland messen dürfen. Wie kam es, dass Sie sich für eine Ausbildung in der Augenoptik entschieden haben?

Vielen Dank für die Glückwünsche! Ich habe in der 12. Klasse, bei meinem späteren Ausbildungsbetrieb, ein freiwilliges Praktikum gemacht. Eigentlich hatte ich vor zu studieren, aber der Gedanke an den fehlenden praktischen Teil hat mich dann doch abgeschreckt. Ich bin handwerklich sehr interessiert und mag den Kontakt mit Menschen, daher habe ich mich dazu entschieden, ein Praktikum in der Augenoptik zu machen. Dafür wurde ich von der Schule auch freigestellt.

In welche Bereiche durften Sie im Praktikum reinschnuppern?

Ich war schwerpunktmäßig in der Werkstatt und durfte bei Refraktionen und Kontaktlinsenanpassungen dabei sein. Das war sehr spannend und hat meine Lust auf den Beruf geweckt. Eine andere Option habe ich danach nicht mehr in Betracht gezogen und direkt nach meinem Abitur einen Ausbildungsplatz erhalten.

Hat Sie das Naturwissenschaftliche nicht abgeschreckt?

Nein, im Gegenteil! In der Oberstufe hatte ich neben Deutsch auch Mathematik und Kunst als Leistungskurse. Daher waren der handwerkliche und der naturwissenschaftliche Aspekt der Ausbildung für mich total passend. Es ist auch die Abwechslung von z.B. Werkstatt und Verkauf, die den Beruf der Augenoptik so spannend macht. Und ich habe sehr gerne Kontakt mit Menschen.

Haben Sie Ihre Ausbildungszeit gut in Erinnerung?

Auf jeden Fall! Die Ausbildung hat sehr viel Spaß gemacht. Man lernt stetig Neues, das muss man sich einfach vor Augen halten. Natürlich darf man im ersten Lehrjahr noch nicht so viel machen, aber das kommt mit der Zeit. Je länger man in der Ausbildung ist, desto selbstständiger darf man auch arbeiten. Am Anfang ist man bei Kundengesprächen zum Beispiel nur dabei, macht mal eine Fassungsberatung oder richtet eine Brille.

Worauf achten Sie bei der Fassungsberatung?

Man muss das Gespür dafür entwickeln, was dem Gegenüber gut steht. Ein paar Informationen, zum Beispiel den Beruf, erhält man im Gespräch. Dann achte ich immer darauf, dass die Brille nicht in erster Linie mir, sondern dem Kunden gefällt. Natürlich äußere ich auch meine Meinung, aber der Kunde hat selbstverständlich das letzte Wort.

Was haben Sie während Ihrer Ausbildung am liebsten gemacht?

Eindeutig die Arbeit in der Werkstatt. Die Werkstatt ist und war immer mein Lieblingsplatz.

Da passte es ja gut, dass im Praktischen Leistungswettbewerb in der Werkstatt gearbeitet wird! Wie lief der Wettbewerb ab?

Wir alle wurden in einem Internat untergebracht und durften an den ersten zwei Tagen die Werkstatt kennenlernen. Dort wurde uns auch erklärt, wie man eine Fassung baut und wir durften eine Übungsfassung herstellen. Am Mittwoch wurde uns das Thema „Einmal im Jahr zum Optiker“ mitgeteilt und wir hatten bis zur Abgabe abends Zeit, uns Gedanken und einen ersten Entwurf zu machen. Donnerstag und Freitagvormittag stellten wir in insgesamt 12 Stunden unsere eigene Fassung her.

Hatten Sie Zeit und Gelegenheit, die Fassungen Ihrer Mitwettbewerber anzusehen?

Zeit dafür hatte man eigentlich nicht. Da der Anspruch des Wettbewerbs sehr hoch ist, benötigt man selbst jede Minute für die eigene Arbeit. Im Rahmen der Siegerehrung am Freitagabend habe ich mir die Fassungen der anderen erst ansehen können.

Hatten Sie schon immer den Anspruch an sich selbst, eine der Besten zu sein?

Nein, überhaupt nicht. Die Ausbildung verlief einfach reibungslos und als ich die Einladung zum Wettbewerb erhalten habe, war die Freude natürlich riesig groß!

Wie haben Sie sich auf Ihre Gesellenprüfung Teil 1 und Teil 2 vorbereitet?

Ich war oft in der Lehrwerkstatt und wurde von meinem Betrieb unterstützt, vor allem, was den praktischen Teil angeht. In der Schule wurden wir sehr gut auf den Theorieteil vorbereitet.

Haben Sie schon Pläne für Ihre Zukunft?

Richtige Pläne habe ich momentan hauptsächlich im privaten Leben. Beruflich bin ich sehr froh, einen Festvertrag erhalten zu haben. Für die ferne Zukunft könnte ich mir vorstellen, entweder meinen Meister zu machen oder doch noch zu studieren. Diese Überlegungen werde ich aber erst in ein paar Jahren wieder aufgreifen.

Was können Sie angehenden und jetzigen Azubis mit auf den Weg geben?

Ich kann die Ausbildung nur empfehlen! Ist man handwerklich interessiert und möchte gerne gefordert werden, ist die Augenoptik genau das Richtige! Man sollte schon eine Vorliebe für Mathe und Physik mitbringen, da dies in der Berufsschule einen großen Teil der Zeit beansprucht. Ansonsten kann man beraten, verkaufen und natürlich viel Zeit in der Werkstatt verbringen! Man hat Kontakt mit vielen verschiedenen Persönlichkeiten und entwickelt sich dadurch natürlich auch immer weiter. Die Augenoptik ist ein absolut lohnenswerter Handwerksberuf!

Vielen Dank für Ihre Zeit und alles Gute für Ihre Zukunft!

Vielen Dank!

 

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