Wie man Spannungsrisse vermeiden kann © nicoletaionescu / istockphoto.comTipps & Ratgeber
„Kleiner Knacks mit großer Wirkung“ – Spannungsrisse verstehen und vermeiden
Unsere Ausbilder plaudern aus dem Nähkästchen – oder dem Etui
Wenn der Riss erst später kommt
Die Brille ist fertig. Das Glas sitzt sauber in der Fassung, die Anpassung ist erledigt und der Kunde nimmt seine neue Brille zufrieden mit nach Hause. Einige Tage später steht er wieder im Geschäft, nur dieses Mal zeigt er auf einen feinen Riss am Glasrand oder an der Fassung. Genau das macht Spannungsrisse so tückisch: Sie entstehen oft nicht erst später – sie werden nur erst später sichtbar.
Was ist ein Spannungsriss?
Ein Spannungsriss ist ein feiner Riss im Material, der nicht durch einen Stoß oder Sturz entsteht, sondern durch dauerhaften Druck. Das Problem dabei: Oft wird ein Spannungsriss nicht sofort sichtbar. Glas und Fassung sollen zwar fest miteinander verbunden sein, dürfen sich aber nicht gegenseitig unter Spannung setzen. Wird dieser Druck zu groß, kann das Material nachgeben.
Woran Du Spannung erkennen kannst
Spannungen kündigen sich häufig an. Achte darauf, ob sich ein Glas nur mit erheblichem Kraftaufwand einsetzen lässt oder ob die Fassung sich dabei sichtbar verzieht. Auch wenn ein Glas nach dem Einsetzen nicht gleichmäßig im Fassungsrand sitzt oder einzelne Bereiche besonders stark belastet wirken, solltest Du aufmerksam werden. Das sind klare Anzeichen, dass etwas nicht optimal zusammenpasst.
Typische Ursachen
Eine häufige Ursache ist ein Glas, das etwas zu groß geschliffen wurde und sich entsprechend nur mit Druck einsetzen lässt. Aber auch eine verzogene Fassung kann Spannungen verursachen. Es lohnt sich daher, jeden Arbeitsschritt sorgfältig zu kontrollieren.
So vermeidest Du Spannungsrisse
Der beste Schutz ist eine spannungsfreie Passung. Nimm Dir deshalb Zeit, die Passform von Glas und Fassung genau zu prüfen. Lässt sich ein Glas nur mit erheblichem Kraftaufwand einsetzen, solltest Du die Ursache suchen, statt den Druck zu erhöhen. Kontrolliere außerdem nach dem Einsetzen, ob das Glas gleichmäßig sitzt und die Fassung ihre ursprüngliche Form behalten hat. Kleine Korrekturen zur richtigen Zeit verhindern oft größere Probleme.
Fazit: Unsichtbar heißt nicht ungefährlich
Spannungen lassen sich nicht immer auf den ersten Blick erkennen. Umso wichtiger ist es, auf die kleinen Hinweise zu achten, die Dir Glas und Fassung geben. Wenn Du aufmerksam arbeitest und Spannungen früh erkennst, kannst Du viele Spannungsrisse vermeiden.
Profitipp
Ein Blick in den Spannungsprüfer gibt Aufschluss über eventuelle Spannung im Glas. Sollte dieser nicht vorhanden sein, gibt es gerade bei Randlosbrillen einen guten Trick: Du beobachtest Spiegelungen oder Reflexe, z. B. von der Deckenbeleuchtung, und lässt diese über die Bohrungen und Kerben laufen. Ergeben sich dabei deutliche Verzerrungen, liegt die Vermutung nahe, dass sich dort eine hohe Spannung befindet. Es scheint dann so, als würde sich die Spiegelung der Lampe um das Bohrloch herum krümmen.



