Brillengläser richtig einsetzen © kumikomini / istockphoto.comTipps & Ratgeber
Wenn sich das Brillenglas nicht einsetzen lässt.
Unsere Ausbilder plaudern aus dem Nähkästchen – oder dem Etui:
Wenn Technik an ihre Grenzen kommt
Das Brillenglas ist eingeschliffen, die Fassung liegt bereit, alles sieht gut aus. Du setzt an, willst das Glas einsetzen – und merkst sofort: Es passt nicht. Es klemmt, lässt sich nicht sauber einsetzen oder sitzt nicht gleichmäßig im Fassungsrand. Die Maschine hat ihre Arbeit gemacht, trotzdem stimmt etwas nicht. Genau solche Situationen gehören zum Alltag in der Augenoptik. Und genau hier ist Dein handwerkliches Können gefragt.
Nicht drücken, sondern prüfen
Der erste Impuls ist oft klar: ein bisschen mehr Druck, dann geht das schon. Genau das solltest Du vermeiden. Wenn ein Glas nicht sauber in die Fassung passt, hat das immer einen Grund. Vielleicht ist der Schliff minimal zu groß, die Fassung leicht verzogen oder das Material besonders empfindlich. Bevor Du weiterarbeitest, lohnt sich ein kurzer Stopp: Passt die Glasgröße? Passt der Facettenverlauf zur Fassung? Ist der Fassungsrand eventuell verformt oder verkippt? Diese kurze Kontrolle schützt Brillenglas und Fassung vor Schäden.
Spannungen erkennen
Ein Glas, das unter Spannung steht, zeigt das erst beim Einsetzen. Es lässt sich nicht gleichmäßig in den Fassungsrand drücken, steht an einzelnen Stellen unter Druck oder federt leicht zurück. Spätestens dabei merkst Du Widerstand an Punkten, an denen das Brillenglas eigentlich problemlos sitzen sollte. Solche Spannungen können später zu Spannungsrissen in einer Beschichtung oder sogar zu Ausplatzern im Glas führen – manchmal sofort, manchmal erst nach einiger Zeit.
Manuell nacharbeiten – mit Gefühl
Wenn klar ist, dass das Glas minimal angepasst werden muss, ist Fingerspitzengefühl gefragt. Oft reichen kleine Korrekturen aus. Arbeite ruhig, gleichmäßig und kontrolliere zwischendurch immer wieder die Passung. Ziel ist es nicht, möglichst viel Material abzunehmen, sondern eine spannungsfreie Passform zu erreichen. Wer hier sauber arbeitet, vermeidet unnötige Nacharbeit und schützt Brillenglas und Fassung.
Auch die Fassung im Blick behalten
Nicht immer liegt das Problem am Glas. Eine leicht verzogene Fassung oder ein ungleichmäßiger Fassungsrand kann ebenfalls dafür sorgen, dass das Brillenglas nicht richtig sitzt. Auch hier gilt: erst prüfen, dann handeln. Eine kleine Korrektur an der Fassung kann oft mehr bewirken als weiteres Nacharbeiten am Glas.
Ruhe bewahren zahlt sich aus
Solche Situationen kosten Zeit und Geduld – vor allem, wenn der Großteil der Arbeit bereits erledigt scheint. Trotzdem lohnt es sich, ruhig zu bleiben. Hektik führt fast immer zu Fehlern. Wer sich einen Moment nimmt, sauber prüft und gezielt nacharbeitet, kommt am Ende schneller ans Ziel als jemand, der mit Druck arbeitet.
Fazit: Handwerk ergänzt die Maschine
Maschinen erleichtern vieles, aber sie ersetzen nicht Dein handwerkliches Können. Wenn ein Brillenglas nicht richtig in die Fassung passt, zeigt sich, wie wichtig Sorgfalt, Erfahrung und Gefühl sind. Für Dich als Azubi heißt das: Verlass Dich nicht blind auf die Technik. Prüfe, denke mit und arbeite sauber nach. Genau hier wird aus Technik gutes Handwerk.



